Mit Packraft und Fahrrad am Hochrhein und Oberrhein, eine Bikerafting-Tour von Konstanz bis Breisach

229 Kilometer mit Fahrrad und Packraft, neun Tage unterwegs, drei  Paddler und jede Menge Rhein: Bei unserer diesjährigen Bikerafting Gemeinschaftsfahrt der Paddler-Gilde Ludwigshafen ging es für uns auf eine abwechslungsreiche Tour von Konstanz bis Breisach.

Mit Fahrrad und Packraft unterwegs

Die Idee hinter unserer Tour war das Bikerafting, also die Kombination aus Fahrrad und Packraft. Gerade am Hochrhein bietet sich dieses Konzept an. Zwischen Konstanz und Basel gibt es mehrere längere Umtragungen, unter anderem die rund fünf Kilometer lange Umfahrung des Rheinfalls und mehrere Staustufen. Dazu kam in diesem Jahr der sehr niedrige Wasserstand.

Unsere Ausrüstung wurde deshalb von Anfang an auf zwei Fortbewegungsmittel verteilt. Die Packrafts wogen je nach Modell zwischen zwei und sieben Kilogramm, die Fahrräder zwischen zehn und 17 Kilogramm. Dazu kamen Zelt, Isomatte, Schlafsack, Kochgeschirr, Lebensmittel und persönliche Gegenstände. Auf den Radeletappen waren die zusammengerollten Packrafts auf den Fahrrädern befestigt. 

Auf dem Wasser drehte sich das Prinzip um. Wir verstauten unsere Falträder und das Gepäck auf den Packrafts. So konnten wir zwischen beiden Verkehrsmitteln wechseln, wann immer es sinnvoll war.

Wir hatten reine Radtage, reine Paddeltage und Tage, an denen wir zwischen Fahrrad und Boot wechselten. Die nächste Etappe besprachen wir meist erst am Vorabend. Wir schauten uns die möglichen Übernachtungen an und entschieden dann, wie weit wir am nächsten Tag kommen wollten. Übernachtungen bei Kanu- und Rudervereinen meldeten wir vorab an, an anderen Tagen landeten wir spontan an bei öffentlichen Campingplätzen.

Von Konstanz nach Schaffhausen

Am Sonntagmorgen starteten wir in Konstanz am Kanuclub mit den Fahrrädern. Von dort ging es auf dem Bodenseeradweg Richtung Schaffhausen. Bis zum Badestrand in Mammern legten wir 23 Kilometer zurück. Nach einer Mittagspause bauten wir die Packrafts auf, verstauten Fahrräder und Gepäck und machten uns schließlich aufs Wasser.

Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Es war sonnig und angenehm warm. Gleichzeitig war überall deutlich zu sehen, wie niedrig der Wasserstand des Bodensees war. Auch die normalerweise kräftige Strömung zwischen Öhningen und Schaffhausen fiel deutlich schwächer aus als bei normalem Wasserstand.

Trotzdem genossen wir die Paddelstrecke durch die wunderschöne Landschaft. Zwischendurch blieb sogar Zeit für einen Stadtbummel durch Stein am Rhein. Am Abend erreichten wir den Zeltplatz des Kanuclubs Schaffhausen.

Rheinfall und Kraftwerke

Der folgende Abschnitt Richtung Flaach gehört zu den anspruchsvolleren Teilen des Hochrheins. Zunächst wartete die rund fünf Kilometer lange Umtragung am Rheinfall auf uns, danach folgten drei Staustufen an einem Kraftwerk.

Wir entschieden uns deshalb, den Tag mit dem Fahrrad zu beginnen. Zunächst erkundeten wir die Innenstadt von Schaffhausen, bevor wir zum Rheinfall radelten. Auch bei der geringen Wassermenge war der Rheinfall beeindruckend. Anschließend ging es mit einer Bergetappe über Jestetten per Fahrrad weiter bis zur Badestelle Balm.

Dort bauten wir wieder unsere Boote auf und paddelten die sieben Kilometer bis zum Campingplatz Flaach.

 

Am nächsten Tag ließen wir die Fahrräder komplett in den Booten liegen. Von Flaach aus ging es auf eine reine Paddeletappe bis zum Campingplatz Hohentengen. Eine Umtragung konnten wir dabei mit den vor Ort vorhandenen Bootswagen bewältigen. Ansonsten war dieser Abschnitt fast durchgehend von Stillwasser und Gegenwind geprägt. Wir mussten deshalb kräftig paddeln, um mit unseren Packrafts voranzukommen.

Spontan weiter als geplant

Für den nächsten Tag war ab Mittag kräftiger Regen mit Unwetter angekündigt. Deshalb planten wir zunächst nur eine kurze Radeletappe von Hohentengen Richtung Waldshut.

Doch das Wetter hielt sich nicht an die Vorhersage. Der Regen blieb aus. Also änderten wir spontan unseren Plan und fuhren weiter bis Luttingen.  Unterwegs schauten wir uns die Koblenzer Lauffen an, die bei niedrigem Wasserstand besonders gefährlich sind. Unsere Entscheidung für das Fahhrad an diesem Tag war genau richtig.  Wir fuhren direkt an Waldshut vorbei und machten erst in Albbruck Halt, um Lebensmittel für das Abendessen einzukaufen. Anschließend radelten wir weiter bis Luttingen, wo wir auf einem Bauernhof mit Agrotourismo unsere Zelte aufschlagen durften.

Diese spontanen Änderungen waren ein wesentlicher Bestandteil unserer Tour. Statt jeden Kilometer Wochen im Voraus festzulegen, konnten wir auf Wetter, Wasserstand und unsere eigene Tagesform reagieren.

Mit Schräglift und Elektrofahrwagen

Am nächsten Morgen stand zunächst wieder eine kurze Radeletappe auf dem Programm. Die sechs Kilometer bis zum Kraftwerk Laufenburg waren schnell geschafft. Dort bauten wir unsere Packrafts an der Umtragestelle auf.

Eine besondere Erfahrung war die dortige technische Unterstützung. Mit einem Schräglift konnten wir Boote und Ausrüstung besonders komfortabel zum Wasser bringen.

Auf der anschließenden 18 Kilometer langen Paddelstrecke bis Schwörstadt wartete bei Bad Säckingen eine weitere Kraftwerksumtragung. Auch hier gab es technische Unterstützung. Dieses Mal kam ein motorisierter Fahrwagen zum Einsatz. Für eine Tour mit voll beladenen Packrafts war das eine ausgesprochen angenehme Art, ein Kraftwerk zu umgehen.

Am Abend erreichten wir den WSV Schwörstadt. Zum Abendessen gab es im örtlichen Dönerladen Falafel und Lahmacun. 

Von Rheinfelden über Kaiseraugst Richtung Basel

Von Schwörstadt ging es am nächsten Tag wieder mit den Fahrrädern weiter. Wir wollten die Gelegenheit nutzen, einige interessante Orte entlang des Rheins zu besichtigen.

Zunächst führte unsere Strecke nach Rheinfelden. Anschließend radelten wir nach Kaiseraugst, wo wir uns die römischen Zeugnisse der ehemaligen Siedlung Augusta Raurica anschauten. Das römische Theater, die Therme und die Kastellmauer waren eine willkommene Abwechslung zum Paddeln und Radfahren.

 

Danach ging es weiter zum Ruderclub Grenzach, wo wir unser Zelt aufschlugen.

Dort entschieden wir, dass noch genügend Zeit war, um auch nach Basel noch zwei Tage weiterzupaddeln. Wir wollten den Rhein auch auf diesem Abschnitt erleben.

Durch Basel zu den Isteiner Schwellen

Am nächsten Morgen radelten wir von Grenzach über Basel bis nach Weil am Rhein. In Basel war der Weg allerdings nicht ganz so einfach wie erwartet. Wegen einer Straßensperrung war der Verkehr großräumig umgeleitet worden. Außerdem waren sämtliche Ampelanlagen ausgefallen.

In Basel sorgten hunderte Verkehrsregler dafür, dass der Verkehr trotzdem funktionierte. Dank der hervorragend ausgeschilderten Umleitung fanden wir unseren Weg durch die Stadt problemlos.

In Weil am Rhein füllten wir noch einmal unsere Lebensmittelvorräte auf und radelten anschließend weiter Richtung Isteiner Schwellen. Die Schwellen sahen wir uns nur vom Ufer aus an. Für eine Packrafttour mit Fahrrädern und schwerem Gepäck sind sie nicht geeignet.

Etwas weiter nördlich, nahe Bad Bellingen, fanden wir schließlich eine schöne Einsetzstelle in den Oberrhein. Dort begann für uns eine der schönsten Paddelstrecken der gesamten Reise.

Bei bestem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen ging es mit einer sehr angenehmen Strömung flussabwärts. Das Wasser war hier nochmal klarer als am Hochrhein, vermutlich weil es lange nicht geregnet hatte. Gerade dieser Abschnitt überraschte uns besonders. Ursprünglich hatten wir erwartet, dass die Paddelstrecke zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen das Highlight der Tour werden würde. Am Ende war ausgerechnet der uns vorher unbekannte Abschnitt nach den Isteiner Schwellen einer unserer persönlichen Höhepunkte.

Der letzte Paddeltag

Unsere letzte Paddelstrecke führte von Bad Bellingen bis Grißheim und weiter bis Hartheim.

Dort endete unsere Wasseretappe. An der Rampe von Hartheim konnten wir in aller Ruhe die Packrafts reinigen, trocknen und für die Heimreise verstauen.

Anschließend stiegen wir wieder auf die Fahrräder. Die letzten zehn Kilometer führten uns zum Ruderclub Breisach. Unterwegs machten wir noch eine ausgiebige Mittagspause beim Segelclub und schauten kurz beim Kanuverein Flinke Paddel vorbei. Vielleicht werden wir auf einer zukünftigen Wanderfahrt auch mal dort übernachten. Die Vereinsmitglieder haben uns jedenfalls freundlich begrüßt und das Gelände gezeigt. 

In Breisach angekommen, bezogen wir unser Quartier beim Ruderclub und hatten am Nachmittag und Abend noch Zeit, die Stadt zu erkunden. Den letzten Abend unserer Tour ließen wir gemeinsam in einem Restaurant ausklingen.

 

Eine Tour ohne kalte Füße und mit Croissants

Auch kulinarisch war die Tour abwechslungsreich. An manchen Abenden kochten wir selbst, meistens Reis oder Linsen mit Gemüsecurry. Wenn ein Restaurant in erreichbarer Nähe lag, ließen wir es uns dort gutgehen.

Die Nächte waren trotz der bereits herbstlichen Jahreszeit angenehm, die Tage fühlten sich sogar eher sommerlich an. Tagsüber hatten wir meist Sonnenschein und Temperaturen zwischen 22 und 26 Grad. Die kälteste Nacht brachte etwa neun Grad, meistens lagen die Nachttemperaturen bei rund 13 Grad. Mit unseren Winterschlafsäcken war es deshalb keine Nacht zu kalt.

Am letzten Morgen wartete dann noch eine besondere Überraschung auf uns. Samy war früh aufgestanden und hatte bereits einen kleinen Ausflug mit dem Fahrrad nach Neuf-Brisach in Frankreich gemacht. Zurück kam er mit frischen Croissants für uns alle.

Ein passenderer Abschluss für unsere Genießertour am Hochrhein und Oberrhein wäre kaum möglich gewesen.

229 Kilometer Rhein-Abenteuer

Nach neun Tagen unterwegs standen am Ende 144 Kilometer mit dem Fahrrad und 85 Kilometer mit dem Packraft auf unserem Tourentacho. Insgesamt waren wir damit 229 Kilometer unterwegs.

Dabei ging es nicht darum, möglichst schnell oder möglichst weit zu kommen. Gerade die Möglichkeit, jederzeit zwischen Fahrrad und Packraft wechseln zu können, machte den besonderen Reiz unserer Tour aus. Wir konnten uns die schönsten Paddelstrecken herauspicken, Sehenswürdigkeiten mit dem Fahrrad ansteuern und schwierige oder ungeeignete Flussabschnitte auf dem Landweg umgehen.

Besonders schön war dabei auch die Gastfreundschaft der Kanu und Rudervereine entlang des Weges. Übernachtet haben wir  beim Kanuclub Konstanz, beim KC Schaffhausen, beim WSV Schwörstadt, beim RC Grenzach und schließlich beim Ruderclub Breisach.

Am Montagmorgen, dem 21. September, hieß es dann Abschied nehmen. Um 9 Uhr traten wir von Breisach aus mit der Bahn die Heimreise nach Heidelberg, Mannheim und Köln an.

Schon während der Fahrt stand für uns fest: Das war nicht die letzte gemeinsame Tour. Wir werden bestimmt wieder einmal zusammen aufs Wasser gehen.

Text: Silvia Adloff mit KI-Unterstützung
Bilder: Samy Schneider und Silvia Adloff