Mit dem Packraft auf der Weser: 136 Kilometer Gemeinschaft, Natur und Gastfreundschaft

Vom 11. bis 19. Juli 2026 war unsere vereinsübergreifende Packraft-Gemeinschaftsfahrt auf der Weser geplant. Sieben erwachsene Paddlerinnen und Paddler im Alter zwischen 40 und Ende 60 machten sich dafür aus ganz unterschiedlichen Regionen auf den Weg nach Hann. Münden. Neben mir (Silvia) als  Fahrtenleiterin der Paddler-Gilde Ludwigshafen kamen die Teilnehmenden aus Bad Wimpfen, Köln, Potsdam, Braunschweig und dem Westerwald.

Am 11. Juli trafen wir uns auf dem Gelände des Mündener Kanu-Clubs. Für einige war es ein Wiedersehen, andere lernten sich an diesem Tag zum ersten Mal kennen. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, wie schnell alle innerhalb der Gruppe zusammenfanden.

Gemeinsam in den Tag starten

Am nächsten Morgen begann unsere erste Paddel­etappe. Während der folgenden sechs Tage entwickelte sich schnell ein festes Ritual: Wir frühstückten gemeinsam und besprachen anschließend die geplante Tagesetappe. Dabei ging es nicht nur um die Streckenlänge, sondern auch um mögliche Pausenplätze, Schleusen, das Wetter und unsere Übernachtungsmöglichkeit am Abend.

Danach baute jede und jeder das eigene Zelt ab und verstaute Schlafsack, Isomatte, Kleidung und die weitere Ausrüstung wieder im Packraft. Wenn schließlich alle Boote gepackt und zum Wasser getragen waren, booteten wir gemeinsam ein.

Gerade bei einer mehrtägigen Gemeinschaftsfahrt ist dieser gemeinsame Start in den Tag besonders schön. Niemand musste sich beeilen, im Gegenteil, denn wir mussten als Gruppe darauf achten, nicht zu früh aufs Wasser zu kommen. Wer morgens sein Boot vor 9 Uhr auf Wasser setzte, musste am Abend eine Runde Getränke ausgeben, darauf haben wir uns schnell geeinigt. Unsere Tagesetappen waren zwischen 14 und 28 Kilometer lang. Insgesamt paddelten wir 136 Kilometer von Hann. Münden bis Hameln.

Unsere Übernachtungsorte waren Hann. Münden, Oedelsheim, Beverungen, Höxter, Polle, Bodenwerder und Hameln.

Gute Strömung und sommerliches Wetter

Das Wetter zeigte sich während unserer Fahrt überwiegend von seiner sommerlichen Seite. Meist war es sonnig und heiß. Gelegentlich gab es kurze Regenschauer oder Gewitter, diese erreichten uns jedoch glücklicherweise erst am Abend oder in der Nacht, wenn wir bereits an unseren Übernachtungsplätzen angekommen waren.

Auch die Bedingungen auf der Weser waren für uns sehr angenehm. Die Strömung half uns dabei, gut voranzukommen, sodass wir selbst die längeren Etappen ohne übermäßige Anstrengung bewältigen konnten. Zwischendurch blieb genügend Zeit für Pausen, Gespräche und den Blick auf die Landschaft.

Das ist für mich ein wesentlicher Reiz mehrtägiger Packrafttouren: Man bewegt sich kontinuierlich vorwärts, ohne sich gehetzt zu fühlen. Der Fluss gibt den Weg vor und trägt einen ein Stück weit mit. Für mich ist das eine wunderbar entschleunigte Form des Urlaubs. Man paddelt, beobachtet die Ufer, nimmt die Natur intensiver wahr und lässt den Alltag mit jedem Kilometer weiter hinter sich.

Schleusenerlebnis in Hann. Münden

Gleich zu Beginn unserer Fahrt erwartete uns in Hann. Münden ein besonderes Erlebnis. Wir mussten mit unseren Packrafts eine Schleuse passieren. Für einige Teilnehmende war es das erste Mal, dass sie während einer Packrafttour an einer Schleusung teilnahmen.

Neben den Erlebnissen auf dem Wasser nutzten wir auch die Gelegenheit, einige Orte entlang der Strecke zu erkunden. Besonders die schönen Innenstädte von Höxter und Bodenwerder haben uns gut gefallen. Eine Wanderfahrt besteht schließlich nicht nur aus dem Paddeln. Gerade die Verbindung aus Natur, Bewegung, Begegnungen und kleinen Besichtigungen macht eine solche Reise abwechslungsreich.

Große Gastfreundschaft entlang der Weser

Besonders in Erinnerung geblieben ist uns die Gastfreundschaft der Kanu- und Rudervereine entlang der Strecke. Immer wieder wurden wir freundlich empfangen und konnten erleben, wie selbstverständlich sich Wassersportlerinnen und Wassersportler auch über die Grenzen der eigenen Disziplin hinweg gegenseitig unterstützen.

Ob Kanu, Kajak, Packraft oder Ruderboot: Die gemeinsame Begeisterung für das Unterwegssein auf dem Wasser verbindet.

Teilnehmerin Anne aus Potsdam brachte es während der Fahrt auf den Punkt: „Die Übernachtungsplätze waren perfekt gewählt. Alle waren wunderschön.“

Mein persönliches Highlight war die Übernachtung beim Ruderclub Bodenwerder. Als wir dort ankamen, war die Zeltwiese bereits von einer Jugendgruppe belegt. Trotzdem mussten wir nicht weiterziehen. Stattdessen durften wir unsere Isomatten im Saal des Vereinsheims ausrollen und dort übernachten.

Über diese Möglichkeit habe ich mich besonders gefreut. Bei einer früheren Tour auf der Weser hatten wir ebenfalls versucht, beim Ruderclub Bodenwerder unterzukommen. Damals war jedoch schon alles belegt gewesen, sodass wir auf einen Campingplatz in der Nähe ausweichen mussten. Dieses Mal hat es endlich geklappt, wenn auch anders als ursprünglich gedacht.

Nach mehreren Nächten im Zelt war die Übernachtung im großen Vereinssaal für uns ein unerwarteter Komfort. Gleichzeitig war sie ein schönes Beispiel dafür, wie unkompliziert auf einer Wanderfahrt Lösungen entstehen können.

Die Sache mit der Treidelleine

Natürlich wurde während unserer Fahrt nicht nur gepaddelt. Auch das gemeinsame Kochen, Essen und Zusammensitzen am Abend gehörte dazu.

Besonders lustig und lehrreich war ein Abend am Lagerfeuer, an dem wir uns ausführlich über Treidelleinen austauschten. Eine Treidelleine kann unter anderem dazu verwendet werden, ein Boot vom Ufer aus zu führen oder es kurzfristig zu sichern.

Uwe erklärte uns seine besondere Technik: Er häkelt die Leine so zusammen, dass sie am Boot zunächst nur ungefähr einen Meter lang ist und nicht lose herumhängt. Wird eine längere Leine benötigt, lässt sie sich innerhalb von etwa zwei Sekunden „enthäkeln“ und auf ungefähr fünf Meter verlängern.

Seine Vorführung überzeugte die Gruppe. Die Technik war so einfach und praktisch, dass die anderen Teilnehmenden sie anschließend direkt für ihre eigenen Treidelleinen übernahmen. Solche kleinen Tipps sind ein weiterer Vorteil von Gemeinschaftsfahrten: Jede Person bringt eigene Erfahrungen, Ideen und Lösungen mit. Am Ende lernen alle voneinander.

Ein ungeplanter Abschied

Leider konnte nicht die gesamte Gruppe die Tour gemeinsam beenden. Bei Martina hatte sich ein Zeckenbiss entzündet und musste ärztlich behandelt werden. Deshalb war es notwendig, dass sie die Fahrt vorzeitig abbrach und die Heimreise antrat.

Wir waren traurig, dass Martina nicht weiter mit uns paddeln konnte. Gleichzeitig war uns allen klar, dass ihre Gesundheit vorging. Wir dankten ihr für die gemeinsamen Tage und ermunterten sie, bei einer zukünftigen Fahrt wieder mitzukommen.

Gerade in solchen Situationen zeigt sich, wie wichtig ein offener und rücksichtsvoller Umgang innerhalb einer Gruppe ist. Eine mehrtägige Fahrt verläuft nicht immer genau nach Plan. Entscheidend ist, gemeinsam verantwortungsvolle Lösungen zu finden.

Früheres Tourende wegen Zugausfall

Auch das Ende unserer Fahrt verlief anders als ursprünglich vorgesehen. Eigentlich wollten wir nach Hameln noch weiter in Richtung Rinteln oder Vlotho paddeln. Dann erfuhren wir jedoch, dass der Zugverkehr zwischen Hameln, Rinteln und Vlotho für mehrere Tage ausfallen sollte.

Für Reisende mit Packrafts ist ein Zugausfall besonders problematisch. Zwar lassen sich die Boote zusammengerollt und gemeinsam mit der übrigen Ausrüstung in Packtaschen oder auf Bootswagen transportieren, im Schienenersatzverkehr ist die Mitnahme dieses umfangreichen Gepäcks jedoch häufig nicht möglich. Das Risiko, von Rinteln oder Vlotho aus keine verlässliche Möglichkeit zur Heimreise zu haben, war uns zu groß.

Deshalb entschieden wir gemeinsam, die Tour bereits beim Kanu-Club Hameln zu beenden. Dort packten wir unsere Boote ein und traten mit der Bahn die Heimfahrt an. Auch wenn wir gerne noch weitergepaddelt wären, war Hameln unter den gegebenen Umständen der richtige Endpunkt.

Unterwegs mit leichtem Boot und großem Gepäck

Packrafts sind leichte, aufblasbare Boote, die sich nach der Fahrt klein zusammenrollen lassen. Zusammen mit Zelt, Schlafausrüstung, Kleidung und Verpflegung können sie in einem großen Rucksack transportiert werden. Dadurch ist es möglich, ohne eigenes Auto zu einer Tour anzureisen und von einem anderen Ort wieder nach Hause zu fahren.

Das geringe Gewicht ist außerdem für Menschen hilfreich, die keine schweren Boote heben oder auf ein Autodach verladen können. Natürlich bleibt das Gepäck einer mehrtägigen Tour umfangreich. Im Vergleich zu einem klassischen Wanderkajak oder Canadier ist der Transport eines Packrafts in öffentlichen Verkehrsmitteln jedoch deutlich einfacher.

Unsere Fahrt auf der Weser hat erneut gezeigt, wie gut sich Packrafts für lange Wanderfahrten eignen. Innerhalb weniger Tage entstand aus Menschen verschiedener Vereine und Regionen eine Gemeinschaft. Wir haben zusammen gepaddelt, gegessen, gezeltet, geplant, improvisiert und viel voneinander gelernt.

Nach sechs Paddeltagen, 136 Kilometern und vielen gemeinsamen Erlebnissen endete unsere Tour in Hameln. Zurück blieben schöne Erinnerungen an sonnige Tage auf der Weser, gastfreundliche Vereine, abwechslungsreiche Übernachtungsplätze und eine Gruppe, die sehr schnell zusammengefunden hatte.

Strecke: Hann. Münden – Oedelsheim – Beverungen – Höxter – Polle – Bodenwerder – Hameln
Paddeltage: 12. bis 17. Juli 2026
Gesamtstrecke: 136 Kilometer
Teilnehmende: sieben Paddlerinnen und Paddler aus verschiedenen Kanuvereinen
Fahrtenleitung: Silvia Adloff, Wanderwartin der Paddler-Gilde Ludwigshafen