An einem Wochenende Mitte Juni führte die Wanderfahrt der Paddler-Gilde Ludwigshafen ins Allgäu. Auf dem Programm standen zwei der schönsten Paddelflüsse Bayerns – die Iller und der Lech. Quartier bezogen wir bereits am Vortag im gemütlichen Landgasthof Voglerwirt in Marktoberdorf-Leuterschach, der sich als idealer Ausgangspunkt erwies.
Freitag: Die Iller zeigt gleich, wer das Sagen hat
Der erste Paddeltag begann ganz nach dem Motto: „Es gibt kein schlechtes Wetter – nur nasse Paddler.“ Dauerregen begleitete uns beim Einstieg in Blaichach bei Flusskilometer 135,1, direkt unterhalb eines kräftigen Schwalles.
Mit einem Pegel von 81 cm in Sonthofen – also sechs Zentimeter über dem empfohlenen Wert – präsentierte sich die Iller von ihrer lebhaften Seite. Zahlreiche Schwälle sorgten für ordentlich Spaß und reichlich Spritzwasser. Wer bis dahin noch trocken gewesen sein sollte, war es spätestens jetzt nicht mehr.
An der Sohlrampe bei Kilometer 126,6 wurde zunächst besichtigt. Nach kurzer Beratung fiel die einstimmige Entscheidung: Heute wird umgetragen! Kaum waren die Boote an Land, zeigte sich auch das Wetter versöhnlich und gönnte uns pünktlich zur Pause eine Regenunterbrechung.
Ausgestiegen wurde schließlich bei Kilometer 118, rund 1,5 Kilometer vor dem Stauwehr Martinszell, wo sich günstige Parkmöglichkeiten boten.
Samstag: Sonne, Gegenwind und „Killer-Ameisen“
Am zweiten Tag zeigte sich die Iller deutlich freundlicher. Unterhalb von Kempten starteten wir bei Kilometer 101 erneut in abwechslungsreiches Wildwasser. Die spritzigen Schwälle sorgten weiterhin für gute Laune, ehe wir bei Kilometer 92 einen wunderschönen sonnigen Rastplatz fanden – genau der richtige Ort, um Kraft zu tanken.
Doch die Iller hatte noch eine Überraschung parat: Ab Kilometer 89 machte sich der Rückstau des Kraftwerks Altusried bemerkbar. Was zunächst harmlos aussah, entwickelte sich zu einem zähen Kampf gegen kräftigen Gegenwind. Plötzlich fühlte sich jeder Paddelschlag doppelt so lang an und das Kraftwerk wollte einfach nicht näher kommen.
Am Ausstieg bei Kilometer 83,5 war die Tour allerdings noch nicht ganz beendet. Während Boote verladen und Fahrzeuge umgesetzt wurden, gerieten einige Teilnehmer unfreiwillig in das Revier einer äußerst wehrhaften Ameisenkolonie. Die kleinen Krabbler gingen mit erstaunlichem Kampfgeist zur Sache und sorgten für eine spontane Flucht einzelner Paddler. Seitdem tragen sie im Teilnehmerkreis den wohlverdienten Namen „Killer-Ameisen von Altusried“. Zum Glück blieb der Angriff ohne ernsthafte Folgen – für reichlich Gesprächsstoff beim Abendessen war jedoch gesorgt.
Sonntag: Naturgenuss auf dem Lech
Zum Abschluss wartete noch ein echtes Highlight. Gemeinsam mit unserem ortskundigen Paddelfreund Andreas aus Roßhaupten ging es auf den Lech. Seine Revierkenntnis und viele interessante Informationen entlang der Strecke machten die Tour zu einem besonderen Erlebnis.
Eingesetzt wurde unterhalb der Staustufe 3 bei Urspring (Kilometer 143). Schon wenige Kilometer später erreichten wir die berühmte Litzauer Schleife – einen der letzten weitgehend naturbelassenen Abschnitte des Lechs. Zwischen Kiesbänken, steilen Ufern und ursprünglicher Flusslandschaft zeigte sich der Lech von seiner schönsten Seite. Dieser Abschnitt gilt als einer der letzten erhaltenen Wildflussbereiche des bayerischen Lechs und steht deshalb unter besonderem Naturschutz.
Bei einem Pegel von 174 cm in Lechbruck herrschten ideale Bedingungen für eine entspannte und landschaftlich eindrucksvolle Tour bis zum Ausstieg in Burggen-Roßau.
Den perfekten Abschluss bildete die herzliche Einladung von Andreas und seiner Frau zu Kaffee und selbstgebackenem Kuchen. In geselliger Runde ließ die Gruppe die Erlebnisse der vergangenen drei Tage noch einmal Revue passieren. Besser kann eine Vereinsfahrt kaum ausklingen.
Ein herzliches Dankeschön gilt Thomas Jäger für die hervorragende Planung und souveräne Fahrtenleitung sowie Andreas und seiner Frau für ihre Gastfreundschaft und die liebevolle Bewirtung.
Fazit: Drei Tage, zwei wunderschöne Flüsse, abwechslungsreiche „Wildwasser“-Passagen, Regen und Sonnenschein, Gegenwind, eine denkwürdige Begegnung mit den „Killer-Ameisen“, traumhafte Landschaften und vor allem eine tolle Gemeinschaft – genau so sehen gelungene Vereinsfahrten der Paddler-Gilde Ludwigshafen aus.
Text: Hans Peter Kaub

