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17.08.2012

Belgische Ardennen und Champagne 2012

Belgische Ardennen und Champagne 2012
Eine nicht alltägliche Paddel-Tour, gesehen aus der Sicht des Fahrtenleiters.

Nach der Fahrt ist vor der Fahrt. Die Paddel-Saison 2011 war noch nicht richtig zu Ende, da galt es schon zu überlegen, was wir im Jahr 2012, in den Ferien machen könnten? Was gibt es da nicht alles zu berücksichtigen? An was muss gedacht werden? Fangen wir mal mit den Terminen an: Fahren Eltern mit schulpflichtigen Kindern mit, dann muss die Fahrt nach Möglichkeit am Ferienanfang des jeweiligen Bundeslandes beginnen. Ist es aber nicht der Fall, dass Kinder dabei sind, kann man den Urlaubstermin vorziehen. Da haben Flüsse und Bäche meistens noch einen guten Wasserstand. Mai und Juni sind nun mal die regenreichsten Monate in Westeuropa. Was soll gefahren werden? Das ist wiederum abhängig von den potentiellen Teilnehmern. Die Region in der gepaddelt werden soll ist relativ leicht zu ermitteln. Sind die Teilnehmer durch eine zunächst unverbindliche Anmeldung in etwa bekannt, können die zu paddelnden Flussabschnitte festgelegt werden. Diese wiederum müssen über zum Paddeln günstig gelegene Campingplätze verfügen. Ideal wäre als Standquartier z.B. ein Platz am Zusammenfluss zweier Flüsse. Dort könnte man, ohne großartig mit dem Pkw unterwegs zu sein, drei bis sechs Etappen von einem Standquartier aus, paddeln. Parallel fließende Gewässer bieten sich dazu ebenfalls an. Leider ist da nur all zu oft der Wunsch Vater des Gedankens.
Es ist auch nicht jedermanns Sache circa drei Wochen in der "Pampa" zu verbringen.
Deshalb muss zur Not der Fahrtenleiter auch mal in der Lage sein, diese ausgewählten Gewässer alleine zu befahren, was er aber nicht unbedingt tun sollte. Dazu eignen sich dann wiederum touristisch erschlossene Flüsse. Man ist dort kaum alleine unterwegs, ganz im Gegenteil, man lernt immer wieder neue Leute kennen. Oder aber man sollte das Gewässer bestens kennen, das heißt es mehrmals und bei allen Wasserständen befahren haben.
Je nachdem, wie sich die Dinge entwickeln, sollte dann bis Ende März eine verbindliche Anmeldung erfolgen. Immer wieder hört man: Ich weiß nicht ob ich Urlaub bekomme? Ich weiß nicht ob das im Betrieb geht? Gegen akute Krankheit oder Urlaubssperre kann man natürlich nichts machen. Der Fahrtenleiter muss sich jedoch im Vorfeld schon festlegen. Der hat es gut, denken viele, der ist raus aus dem Berufsleben! Leider vergessen die gleichen Personen dann, dass hinter dem Fahrtenleiter eine Familie steht, dass auch Haus und Garten sowie Haustiere von Familienangehörigen zu betreuen sind. Die Familie muss ja auch ihren Urlaub entsprechend planen. Übrigens, bei den meisten größeren Betrieben und bei städtischen oder staatlichen Institutionen wird der Urlaub im Dezember des zu Ende gehenden Jahres oder gleich im Januar des neuen Jahres, festgelegt.Es ist halt verdammt schlecht, wenn der eventuelle Fahrtenleiter, bildlich gesprochen, drei bis vier Monate vollkommen in der Luft hängt.
Was äußerst wichtig ist, man muss miteinander umgehen können. Dazu gehören auch gegenseitiges Achten und Vertrauen. Bei dieser Tour, die im Folgenden beschrieben wird, hat es aus meiner Sicht gesehen, bestens funktioniert


Wir, Gertrud und ich, begannen unsere Ferienfahrt zunächst alleine in Poupehan, in den Belgischen Ardennen. Poupehan ist ein kleiner Ort in Belgien, an der Semois etwa 12 Kilometer unterhalb von Bouillon, nahe der französischen Grenze, gelegen. Ein wunderschöner Campingplatz mit einer etwas schwierigen Zufahrt. Wen wundert es, wir sind schließlich in den Ardennen-Schluchten. Der Stellplatz, den wir uns aussuchen konnten, befand sich in Ufernähe in einem parkähnlichen Gelände.
"Brötchenservice" war durch einen Bäcker, der mit seinem Verkaufswagen morgens über den Platz fuhr, gewährleistet.
Kaum in Poupehan angekommen und aufgebaut, begann es zu regnen. Es regnete die ganze Nacht hindurch, leicht aber beständig. Es regnete auch noch am folgenden Morgen. So beschlossen wir, da keine Wetterbesserung abzusehen war, nach Bouillon zu fahren, dort die Stadt selbst und auch die Festung des Gottfried von Bouillon zu besichtigen.( Gottfried war nicht der Erfinder des gleichnamigen Würfels, sondern Führer des ersten Kreuzzuges, 1096,in das Heilige Land. Ein Heiliger war er trotzdem nicht.)
Kaum waren wir in Bouillon angekommen, lösten sich die Wolken fast schlagartig auf und für den Rest des Tages war strahlend blauer Himmel angesagt.Stadt und Festung sind von einer riesigen Schleife der Semois umschlungen. Eine fantastische Aussicht hat man von der Burg.

Wie für uns bestellt, begann 10 Minuten nach unserem Eintreffen im Burghof eine Greifvogel-Flugschau. Da war alles vertreten. Vom Geier über den Afrikanischen Adler hin zum Uhu und zum Falken. Die Schau war im wahrsten Sinne des Wortes zum Anfassen und zum Mitmachen.


Nach ausgiebiger Besichtigung der Bergfestung und all ihren Räumen fuhren wir weiter zum Kloster Orval. Das alte Kloster, eine imposante Ruine, wurde ebenfalls von uns beiden besichtigt. Zuvor jedoch ein informativer Film über das Kloster selbst und zu seiner Geschichte. Der Film war äußerst aufschlussreich und zeigte auch das heutige Kloster,ein Kloster des reformierten Zisterzienserordens mit Schweigegelübte, eine Oase der Stille. Orval ist vielen zumindest dem Namen nach bekannt. Kommt doch von dort auch das bekannte Trappisten Bier, eine belgische Spezialität. In der, dem Kloster eigenen Brauerei wird es hier vor Ort gebraut und außerhalb der Klostermauern, in einem Gasthaus aus geschenkt.


Der Rückweg vom Kloster Orval führte uns dann über Florenville und Herbeumont, um eventuell nicht bekannte Einsatzstellen an der Semois zu erkunden. Hatte ich doch schon mehrmals das Vergnügen gehabt, diesen wunderschönen Wanderfluss, meist jedoch unterhalb von Bouillon bis zu seiner Mündung in die Meuse, bei Montherme in Frankreich, zu befahren.
Da hier in Belgien die Ein- und Aussetzstellen an der Semois, aus Gründen des Umwelt- und Naturschutzes vorgegeben sind, begann ich meine Fahrt zunächst in Bouillon am Ausgleichswehr, in der Nähe des Kriegerdenkmals unterhalb der Festung. Eine Durchfahrt durch Bouillon ist leider nicht möglich. Eine Aussetzstelle ist oberhalb der Stadt, linksseitig vor dem Wehr eingerichtet. Durch einen Straßentunnel, der durch den Burgberg führt, kann man den nicht zur Befahrung freigegebenen Flussabschnitt umgehen.

Meine Fahrt ging vorbei an einem weiteren Zisterzienserkloster unterhalb Bouillon. Die Semois führte leichtes Hochwasser, so dass die Fahrt flott von statten ging. Auffällig die vielen Lager für Pfadfinder, die hier ständig in Gruppen unterwegs waren. Diese Zeltlager, komfortabel eingerichtet, befinden sich in "Tagesmarschentfernung" zumeist in den Innenkurven der Semois, sowohl auf freiem Feld als auch in Waldlichtungen. Eine flotte, teilweise spritzige Fahrt bis Poupehan, das ich nach gut 2 Stunden gemütlichen Paddelns erreichte.


Am folgenden Tag ging meine Fahrt von Poupehan bis Membre auf einer Strecke, die von Wasser und Landschaft her, keine Wünsche offen lässt. Zunächst entlang der Schleife von Frahan, die die Bergkette "Tombeau de Gêant" - Grab des Riesen - umfließt. Luftlinie vom Campingplatz in Poupehan über den Berg bis zur Basis des Mäanders über den Berg: 208 Meter. Die Schleife von Frahan ist insgesamt 4200 Meter lang. Hier wird so richtig deutlich gemacht und man kann es auch von oben von Rochehaut aus sehen, wie sich die Semois in die Ardennen eingegraben hat.


In den nächsten Flussschleifen liegen dann die kleinen Ortschaften Alle, Mouzaive und Laforet. Bald darauf erreicht man Membre, das heutige Etappenziel. Für die 21 Kilometer auf dem Wasser brauchte ich etwa drei Stunden reine Paddelzeit.

Die Strecke oberhalb von Bouillon, zwischen Herbeumont und Dohan verläuft auf 25 Kilometern weitgehendst in einer einsamen Waldschlucht, die nur im ersten Drittel von den Dörfern Mortehan und Cugnon kurz unterbrochen wird. Diese Strecke ist für den Kanu-Tourismus eingerichtet. Bei dem hohen Wasserstand waren die drei Wehre bei Herbeumont und Cugnon, selbst in ihren Durchlässen, mit Vorsicht zu genießen. Ein wahrer Genuss die gesamte Strecke, auf der ich absolut alleine unterwegs war.


In den folgenden zwei Tagen befuhr ich nochmals die Strecke von Poupehan über Membre bis Bohan und zum Abschluss auch nochmals den Flussabschnitt von Bouillon bis nach Poupehan. Das Kapitel Semois war damit auch schon abgehakt. Insgesamt hatte ich auf diesem wunderschönen Wanderfluss insgesamt 106 Kilometer im Boot zurückgelegt. Gertrud hatte wie immer das Auto gefahren, denn ohne Pkw, z.B. mit dem Fahrrad, ist das Verstellen hier nahezu unmöglich. Haben doch die Straßen in unmittelbarer Nähe des Flusses bis zu über 10% Steigung und Gefälle. Rollsplitt tut hier noch sein Übriges. Egal wie man es macht, man muss immer wieder von der Hochfläche so um die 250 Höhenmeter hinab in das Tal der Semois.

Am 12. Juli wechselten wir dann unseren Standplatz. Waren es doch nur knapp 200 Kilometer die bis Vitry le Francois in der Champagne zurückgelegt werden mussten. Die Fahrt ging über Bouillon nach Sedan. Dort habe ich die richtige Ausfahrt verpasst und eine Ehrenrunde durch die Stadt gedreht. Anschließend wurden Reims und Chalon en Champagne umfahren. Nach weiteren 30 Kilometer hatten wir dann
schon Vitry le Francois erreicht. Vitry le Francois hat einen kleinen aber feinen Campingplatz, der nur wenig bekannt ist. Optimal gelegen, circa 200 Meter zur historischen Altstadt, ca. 200 Meter zur Marne. Zum Supermarkt ist es auch nur etwa knapp einen Kilometer weit. Diesen Platz kenne ich nun schon seit etwa 20 Jahren, ebenso die städtischen Angestellten, die schon seit eh und je diesen Platz so hervorragend führen. Mittlerweile sind wir hier schon namentlich bekannt.


Am nächsten Tag hatte ich mir die Marne angesehen. Auch sie führte ein ordentliches Hochwasser. Mehr als gewöhnlich, denn ab Juli wird immer Zuschusswasser für die Seineschifffahrt aus dem Speichersee Lac du Der-Chantecoq, über die Marne der Seine zugeführt. So fuhr ich dann mit dem Fahrrad entlang der Altstadt zum ehemaligen Eisenbahnknotenpunkt und sah mir den Schwall unter der 2. Eisenbahnbrücke, die über die Marne führt,an. Erwarteten wir doch in den nächsten Tagen Sabine und Wolfgang sowie Familie Voelcker, die erst in diesem Jahr unsere Schnupperkurse besucht hatten. Da war von meiner Seite aus, schon etwas vorausschauend, Vorsicht geboten.


Am nächsten Tag, hatte mich Gertrud mitsamt Boot nach Moncetz l´Abbaye gefahren, von wo aus ich die Strecke bis zum Campinplatz in Vitry erkundete. Die Marne führte etwa 80 cm mehr Wasser als sie normalerweise um diese Zeit führt. Kaum eine Sandbank ragte noch aus dem Wasser und Rastplätze waren auf den 20 Kilometern so gut wie nicht mehr vorhanden. Die drei Grobsteinwürfe unterhalb von Moncetz waren mit Vorsicht zu genießen. Beim ersten Schwall war dann auch sofort "Land unter". Leicht durchnässt, das Wasser lief mir in den Kragen, setzte ich die Fahrt fort. Die folgenden Schwälle waren dann immer etwas leichter zu fahren als die vorhergegangenen. Einzig der Schwall vor der ersten Eisenbahnbrücke in Vitry war nicht so ganz ohne. Der Abfall unter der 2. Eisenbahnbrücke, der bei normalem Wasserstand Paddelneulingen Schwierigkeiten bereiten könnte, war nicht vorhanden. Die Marne lief glatt unter der Brücke hindurch.

Zwischenzeitlich waren am Samstag Sabine und Wolfgang angekommen, so dass wir am Sonntag gemeinsam die Marne ab Les Cotes Noir fahren konnten. Es war genug Wasser über den Verblockungen im Ausgleichswehres zum Marne-Seitenkanal und wir hatten kaum Mühe, mit etwas Aufpassen den unteren Teil des Wehres zu befahren. Ab hier beginne der landschaftlich schönste Teil der Marne sagte mir vor 8 Jahren ein französischer Paddler und der hatte absolut Recht.


22 Kilometer durch einen Auwaldgürtel, vorbei an drei Ortschaften, von denen man so gut wie nichts sah. Gelegentlich eine Kirchturmspitze oder Anglerstände, mit den zugehörigen Kähnen am Ufer. Erwartungsgemäß verbrachten wir unsere Mittagspause auf dem Kalksplitt einer leicht durchwässerten Kiesbank. Die Fließgeschwindigkeit der Marne war recht ordentlich, so dass man in den Außenkurven immer auf überhängendes Gesträuch und auf Baumleichen achten musste. Für meine Begriffe: eine schöne Tagestour.


Am Montag fuhren wir dann wieder zu dritt die Strecke von Moncetz l´Abbaye bis zum Campingplatz in Vitry. Das Wasser war seit meiner ersten Tour etwa 10 Zentimeter gefallen. Der erste Grobsteinwurf war nicht mehr ganz so spektakulär, dafür musste man aber am zweiten gehörig aufpassen. Auch die restliche Strecke bis Vitry le Francois ist wunderschön zum Befahren. Unsere Bootswagen hatten wir mitgeführt, so dass die Strecke nach dem Ausstieg bis auf den Campingplatz einfach zu bewältigen war. Kaum waren wir auf dem Platz angekommen als auch schon Ute, Annika, Claus Peter und Philipp mit ihrem Gespann eintrafen.


Etwas Aufregung kam auf, als es nach der Begrüßung an das Aufbauen ging. Hatten sie doch ihren Eriba-Touring gerade kurz vor dem Urlaub gekauft. Aber auch diese Klippe wurde fast souverän gemeistert. Das Vorzelt ist halt etwas gewöhnungsbedürftig, besonders beim Aufbau. Kein Problem dagegen hatte Annika mit ihren kleinen Kugelzelt. Ein Wurf und schon stand es, es musste nur noch "angenagelt" werden. Nun waren wir komplett. Sieben Paddler und Gertrud, die uns immer beim Verstellen unterstützte.

Am Montag war Ruhetag angesagt. Jeder machte mehr oder weniger das, zu dem er gerade Lust hatte.
Gertrud und ich waren unterwegs um uns die Fachwerkkirchen um den Lac du Der-Chantecoq anzusehen. Zwischen Marne und Seine waren einst die Täler sumpfig. Es gab keine Steine zum Hausbau. Also machte man die Not zur Tugend. Holz und Lehm waren in den Auwäldern und an den Flussufern ausreichend vorhanden.
So baute man ab dem 16. bis hinein in das 18.Jahrhundert nicht nur die Häuser sondern auch die Kirchen in Fachwerkbauweise. Ein religiöses Erbe der besonderen Art. Auf einer kleinen Rundfahrt, kreuz und quer am See entlang, konnten wir sechs dieser wunderbaren Kirchen besichtigen. Ein Erlebnis der besonderen Art, konnte man hierbei auch noch die Landschaft der südlichen Champagne so richtig genießen.


Am Mittwoch wurde es dann auch für unsere Paddel-Neulinge ernst. Gingen wir doch erstmals zu siebt auf die Marne. Eine interessante Gruppe für die anderen Campinggäste, hatten sie wahrscheinlich noch nie einen Einerkajak-Doppelpack auf einem Bootswagen gesehen. Wir fuhren von der Anlegestelle der Stadt Vitry bis hin nach Ablancourt, die Marne hinab. Wir fuhren nach den Regeln wie im DKV so üblich. Als erster Mann, in diesem Falle ich als Fahrtenleiter und Wolfgang mit der meisten Erfahrung in der Gruppe, fuhr als Schlussmann. Auch die Reihenfolge der Paddler innerhalb der Gruppe wurde festgelegt.
Wieder ging es zunächst flott voran, vorbei an der Mündung des Saulx, eines ebenfalls für Einer befahrbaren rechten Nebenflusses der Marne. Ab hier machte sich dann auch ganz leicht der Rückstau des Wehres von Couvron bemerkbar. Bei dem Wasserstand jedoch kein Problem. Auf der rechten Seite des Wehres kann man umsetzen und zwischen Kanal und Marne die Boote etwa 200 m weit umtragen.
Das Einsetzen war bei dem hohen Wasserstand etwas schwierig, ist die Einsetzstelle doch für normale Wasserstände eingerichtet.

Danach ging es wieder recht flott weiter. Die Auwaldstreifen traten zurück, Land- und Viehwirtschaft traten zeitweilig in den Vordergrund. So traten nun auch immer häufiger Steilufer auf, in deren Lehmwänden sich Uferschwalben eingenistet hatten. Hin und wieder bekamen wir auch Eisvögel, die fliegenden Saphire, zu Gesicht. Andererseits sahen sich auch Rinderherden neugierig nach uns um, scheinbar dankbar um jede Abwechslung. Unter den drei größeren Brücken unserer heutigen Etappe befanden sich immer recht schöne Schwallstellen, wie sie bei normalen sommerlichen Wasserstände kaum üblich sind.

Bei der Aussetzstelle nahe der Brücke zwischen Sogny sur Marne und Ablancourt hatte sich doch so Einiges verändert. Die Natur, sprich der Auwald, hatte sich seine Flächen wieder zurückgeholt. Es war schwierig an zu landen und über einen Trampelpfad, sicher von Anglern getreten, auf den Hauptweg nahe des Ufers und zu der Brücke zu kommen. Diese Etappe wurde, wenn auch zunächst mit etwas Skepsis, von unseren Neulingen gut gemeistert. Eine Erkundung vor Ort durch Wolfgang ergab: auf dem Uferweg, circa 300 Meter weiterfahren und schon hat man eine wunderbare Ein- und Aussetzstelle.
Die nächste Strecke führte uns dann von eben dieser schönen Einsetzstelle flussabwärts bis vor die Tore von Chalons en Champagne nach Sogny aux Moulins.
Diese Strecke war mit 23 Kilometern fünf Kilometer länger als die Strecke am Tag vorher. Nach etwa einer Stunde Paddelzeit konnte ich schon Annika und Philipp leicht links vor, beziehungsweise neben mir her fahren lassen. Kinder lernen, wenn sie mit den nötigen Grundkenntnissen versehen sind, sich schnell an neue Situationen anzupassen und auf kleinste Hinweise sofort und meist richtig, zu reagieren. Ute und Claus Peter schafften die mit "learning by doing".
Das wollte aber zunächst bei Claus Peter nicht so richtig klappen. Er versuchte doch immer an dar gleichen Stelle wie ich die gleichen Schläge zu setzen. Das konnte aber nicht klappen da ich, genau wie Ute, ein Wanderboot fuhr und er in einem Wildwasser-Combi-Boot unterwegs war. Das hatte ihm leider keiner vorher gesagt und woher sollte er es als Neuling wissen wie unterschiedlich Boote sich verhalten können. Mit der Zeit jedoch wurde alles immer besser.
Diese Tour auf der Marne zwischen St. Dizier und Chalons en Champagne war dann auch schon die letzte gemeinsame Fahrt von Sabine und Wolfgang mit uns. Hatten sie sich doch nur für eine Woche angemeldet. Schade, sagte Sabine, dass es schon vorbei ist.


Nach einem Ruhetag ging es am Samstag für den Rest der Truppe auf der Marne weiter. Der Wasserstand des Flusses hatte sich nicht mehr wesentlich geändert. Der Pegel in Vitry war insgesamt um etwa 25 cm gefallen. Folglich, die Schwälle wurden etwas kürzer, dafür aber auch etwas heftiger. Aber auch für Voelckers kein Problem mehr. An der Brücke von Moncetz erwartete uns Gertrud mit dem Auto. Sie fuhr Claus Peter in den Ort, wo wir am Morgen sein Auto deponiert hatten. Es waren immerhin noch 5 Boote zu transportieren. da muss bei den heutigen Kraftstoffpreisen halt auch die Logistik stimmen.

Am Sonntagfuhren wir dann nochmals die schöne Strecke von Moncetz l´Abbaye bis zum Campingplatz in Vitry le Francois. Annika und Philipp waren auf dem Wasser mittlerweile so sicher geworden, dass ich sie bedenkenlos "am langen Zügel" abwechselnd vorfahren lassen konnte, sogar auch dann, wenn schnell entschieden werden musste wie am besten zu fahren wäre. Das hat fast immer hervorragend funktioniert und es hat nicht nur den Kindern, sondern auch mir selbst mal wieder so richtig Spaß gemacht.


Tags darauf änderten wir nochmals unseren Standort. Es waren nur 51 Kilometer von Vitry bis Arcis sur Aube zu versetzen. Auf diesem Platz waren wir schon des Öfteren gewesen. Seit er unter neuer Leitung und in Privatbesitz eines Campingfreundes mit Herz und Seele ist, wird er ständig qualitativ besser. Ein hervorragend geführter Platz, wie man ihn sich nicht besser oder schöner wünschen kann. Da wir schon vor der Mittagszeit in Arcis sur Aube eintrafen, konnten wir uns zwei schöne, nebeneinander im Halbschatten liegende Plätze, aussuchen.

Unsere erste Fahrt auf der Aube führte uns 20 Kilometer flussabwärts bis nach Plancy l´Abbaye. Die Aube, im Charakter der Marne ähnlich, fließt teilweise recht flott und weitestgehend naturbelassen durch einen Auwaldgürtel. Auch hier Baumleichen und überhängende Sträucher. Genau richtig, um während der Fahrt das Paddeln in unmittelbarer Nähe von Hindernissen im Stromstrich zu üben. Speziell haben wir dann auch das Fahren unter tief hängenden Ästen spielerisch üben können.
An dem Grill- und Festplatz mit Badestrand der Gemeinde Viapres le Petit, gegenüber dem Waschhaus, haben wir dann unsere wohlverdiente Pause eingelegt.


Annika und Philipp versuchten gleich wieder junge Fische mit ihren Händen zu fangen. Da war von Müdigkeit, Hunger und Durst sowie Geschwisterzwist nichts zu spüren.
Vor Plancy l´Abbaye wählten wir den Flussarm der direkt in die Stadt führt wo wir zwischen Schloss und Wehr Voelckers Auto im Schatten abgestellt hatten. Im Ort selbst konnten wir auf der anderen Seite des Wehres direkt an das Waschhaus heran fahren und ohne großartige Schlepperei unsere Boote verladen. Auf diesem Teil der Aube, bei strahlendem Sonnenschein, eine angenehme Fahrt.

Am Mittwoch befuhren wir dann die Seine unterhalb Troyes, von Payns sur Seine bis Mary sur Seine. Auch die Seine in ihrem Oberlauf mit hervorragendem Wasserstand. Ein angenehmer Wanderfluss, ebenfalls ständig mit kleinen Überraschungen gespickt, die volle Aufmerksamkeit verlangen. Hatte ich mich 2005, als ich das letzte Mal hier war, doch glatt verfahren. Einmal falsch abgezweigt und schon war ich zunächst an einem fahrbaren Mühlenwehr, dann aber mitten in der Gemeinde St. Mesmin, vor einem unfahrbaren Grobsteinwurf, der nur durch mannshohe Brennnessel und Brombeergesträuch zu um tragen war. Zum Ausgleich hierfür hatte ich damals zwei Biber am helllichten Tag auf einer Sandbank gesehen.
Dieses Mal hatte die Abzweigung so viel Wasser, dass sie nicht zu übersehen war.


Hier wurde dann auch gleich in dem etwas spärlichen Schatten Pause gemacht. Die Kinder vergnügten sich zunächst mit Fischfangversuchen. Als dies, wie schon mehrmals nicht so richtig klappte, wurde zuerst etwas gespritzt und als kein Einspruch von elterlicher Seite kam, gingen sie sofort zur Wasserschlacht über. Bei diesem Wetter ein wahres Vergnügen.


Mehrmals fuhren wir dann anschließend noch über geschleifte Mühlenwehre, vorbei an verwilderten parkähnlich bewachsenen Mühleninseln. Als wir dann den "Hintern der Jungfrau" sahen, (Jeanne d´Arc steht in Überlebensgröße auf der Kirchturmspitze von Mary sur Seine und blickt flussabwärts) hatten wir unser Ziel erreicht. An einer Kahnlände am linken Flussufer stiegen wir aus und konnten auch hier direkt unsere Boote verladen. Eine schöne Fahrt auf der Seine, die sich noch beliebig fortsetzen lässt.

Am Donnerstag führte ich meine verbliebenen Mitpaddler durch Troyes, für meine Begriffe eine der schönsten Städte in der Champagne. Gertrud hatte darauf verzichtet, waren wir doch zusammen schon mehrmals in dieser herrlichen Stadt. Vieles gibt es da zu bestaunen. Die mittelalterlichen Fachwerkhäuser, die gotischen Kirchen, der hängende Lettner in St.Madeleine, das Katzengässchen, die Markthalle, das Haus der Templer, die Kathedrale St Peter und St. Paul usw,, usw.
Gut zwei und eine halbe Stunde waren wir an dem wirklich heißen Tag in Troyes unterwegs. Eine Stadtführung, die ich trotz leichter Strapazen, immer wieder machen würde.



Nun naht mit Riesenschritten das Ende unserer gemeinsamen Urlaubsfahrt. Noch einmal wurden die Boote an der Brücke von Ramerupt zu Wasser gelassen. Die letzten 22 km auf der Aube, mit ihren ebenfalls sehr starken Mäandern, waren ein reines Vergnügen. Bis Arcis kein Wehr, nur leichte Schwälle, zwei bis drei Meter hohe Prallhänge, rundum nur Natur pur. Immer noch sehr hoher Wasserstand, so dass kaum ein geeigneter Pausenplatz ausfindig zu machen war. Eine schöne Fahrt, die allen etwas lange vor kam. Hatten wir doch auf der gesamten Strecke nur 2 Brücken zu passieren. Nur Vinet und Torcy liegen in Flussnähe aber von beiden Orten war kaum etwas zu sehen. In Arcis sur Aube angekommen,landeten wir vor dem bei diesem Wasserstand unfahrbaren Wehr, gegenüber dem Campingplatz an.
Wie so manche Fahrt vorher endete auch diese Fahrt mit einem gemeinsamen Kaffee trinken und einem gemeinsamen Abendessen. Claus Peter hatte den Grill angeworfen, die Frauen und auch Annika kümmerten sich um die Salate, Philipp unterstützte seinen Vater und ich habe einfach mal dem rührigen Treiben zugeschaut und alles klaglos über mich ergehen lassen, denn auch ein Fahrtenleiter wird irgendwann mal müde.


Gertrud und ich waren nun schon 25 Tage unterwegs als wir die Rückreise antraten. Eigentlich sollten es in Anführungszeichen "nur 20 oder 21 Tage" werden. Da wir aber nicht nur das Beste für uns wollen, sondern auch unsere jüngeren und ganz jungen Paddelkameraden daran teilhaben sollen, haben wir so lange am Plan gedreht und geschoben bis, so glaube ich zumindest persönlich, alle ihre Freude an dieser nicht alltäglichen Paddeltour hatten.


Text und Fotos: Manfred Hofmann
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