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Paddler-Gilde Ludwigshafen 1933 e.V.

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28.07.2011

Tour de France im Kajak

Tour de France im Kajak
Paddeln auf Doubs, Loue, Allier und Dordogne.

Es ist nicht jedermanns Sache mit Auto, Wohnwagen oder Zelt, sowie mit dem Kajak sich gut 3 Wochen quer durch Frankreich zu bewegen. Immerhin waren wir 4 Paddler die sich samstags, auf dem nahe des Stadtzentrums gelegenen Campingplatzes, in Dole trafen. Dole, bis 1674 Hauptstadt der Freigrafschaft Burgund, war im Mittelalter ein wichtiges Industriezentrum und hatte eine Universität. Die Stadt wurde 1479 durch Ludwig XI. geplündert und zerstört, anschließend neu aufgebaut. Die bis heute im Altstadtkern gut erhaltenen Gebäude stammen zumeist noch aus dem 15. Jahrhundert und bilden ein eindrucksvolles spät mittelalterliches Zentrum.

Dole ist der Geburtsort von Louis Pasteur.


Dole liegt als Etappenort, 400 km von Ludwigshafen entfernt, äußerst günstig. Hier fließen in nächster Nähe Loue und Doubs zusammen. Der Doubs ist hinter Dole bis Navilly mehr als 40 km frei fließend. Ein nicht all zu breiter Fluss mit guter Strömung. Ein Gewässer so richtig zum Entspannen.

Der Doubs ist in seinem Unterlauf weitgehendst renaturiert. Die ehemals, teilweise bis zu zwei Meter hohen Wehre wurden durch Grobsteinwürfe ersetzt.
Rechts oder links befinden sich Durchlässe, die sowohl als Aufstiegshilfen für Fische als auch für Paddler zur Durchfahrt geeignet sind. Ein Industriewehr, bei km 118,3 ist rechts, aus der Kanaleinfahrt heraus,relativ leicht zu umtragen.

Unser nächster Etappenort war Issoire im Vulkanpark der Auvergne. Die Entfernung zwischen Dole und Issoire beträgt rund 300 km. Trotz Gebirge ab Chalon s. Saone eine angenehme Entfernung, auch für Gespanne. Hier verbrachten wir ebenfalls vier Nächte auf dem Gemeindezeltplatz. Der Platz hat keinen direkten Zugang zum Allier. Man kann jedoch zur Einsatzstelle der Kanuschule bequem mit dem Auto fahren oder den direkten Weg, am Angelweiher entlang (ca. 400m) mit dem Bootswagen zurücklegen. Übrigens, der Campingplatz in Issoire hat neue sanitäre Einrichtungen, die allen Ansprüchen genügen.
Gefahren sind wir zwei Etappen auf dem Allier. Zunächst von Brassac les Mines bis Issoire und dann weiter bis Longues. Das sind 18 bzw. 20 km. Es geht über herrliche Kiesbankschwälle und einige wenige halb zerfallene Wehre, deren Ausläufe oft nicht ganz so ohne sind.


Vulkankegel und Ortschaft Nonette

Bei unserer zweiten Tour auf dem Allier fuhren wir auch an einem der markantesten Punkte, der Felswand mit der Kirche und dem Ort St. Yvoine vorbei.


Aber auch hier trügt der Schein. Nicht überall ist der Allier, je nach Wasserstand, ein geruhsamer Wanderfluss. Bei km 194 hat man das halb zerfallene Wehr mit der anschließenden EB-Brücke zu einer schönen Slalomstrecke umgebaut.(Stangen hängen immer) Man sollte die Augen offen halten, der Allier ist für Überraschungen gut, so wie hier, oberhalb Coudes.




In der näheren Umgebung gibt es einiges zu besichtigen. Abgesehen von dem romanischen Kirchenzyklus der Auvergne, ist die Altstadt von Issoire sehenswert. Auch die befestigten mittelalterlichen Bergdörfer wie Montpeyroux oder Nonette auf dem Vulkankegel und Billom aus karolingischer Zeit. Billom war um 1200 die erste Universitätsstadt der Auvergne mit bis zu 2000 Studenten.









Billom

Unsere nächste Etappe führte uns nach Carennac auf den Campingplatz L´Eau Vive, einem weitgehend naturbelassenem Platz, jedoch mit Schwimmbad, beim Wehr von Carennac, an die Dordogne. Mit 216 km eine wunderschöne Fahrt durch das Massiv Central.
Georg hatte uns in Issoire verlassen und die Heimreise angetreten. Nun paddelten wir nur noch zu dritt die Dordogne von Argentat bis Beynac et Cazenac, das schönste Stück dieses wunderbaren Wanderflusses. Aus Gründen der Bequemlichkeit, wir wollten nicht ständig über das Gebirge zwischen Carennac und Souillac pendeln, wechselten wir nach einigen Tagen nach Cazoules, mit seinem etwas versteckt, direkt an der Dordogne liegenden Campingplatz.


Argentat














Beaulieu
















beim Belvedere de Copeyre

Welcher Paddler sie noch nicht gesucht, die Mündung des unterirdischen Flusses unterhalb der Grotte von Lacave? Auch wir hatten Ausschau danach gehalten und sie gefunden.
Ausgestattet mit einer guten Taschenlampe (12 LED´s) konnten wir gut 30 m bis hinter den Knick vor der eigentlichen ersten großen Höhle vordringen. Dann war es stockfinster, das Licht der Lampe verlor sich in der Dunkelheit des Raumes. Nur die Wände rechts und links reflektierten noch etwas Licht. Ein Schild mit einem Hinweis für Taucher ist dort angebrach: Nur mit Atemluftflaschen durch den Siphon in die nächste Höhle tauchen! Sauerstoffmangel! Es war schon etwas gespenstisch hier drinnen...


Zwischen Vitrac und Beinac et Cazenac drängelten sich die Leihboote auf dem Fluss. Hier befindet sich, geeignet für reinen "Anschauungsunterricht", die schönste Strecke des Flusses. Alles schön touristisch erschlossen. Wir haben auf unseren ersten Flüssen kaum irgendwelche Paddler gesehen. Am Doubs ein Ehepaar aus Frankenthal das beim KC Mannheim paddelt, auf der Heimreise. Auf dem Allier waren wir wieder unter uns. Doch auf der Dordogne trafen wir junge Leute die mit Saga-Tours, vollkommen unbedarft, eine Gepäckfahrt machten. Eine Gruppe pensionierter Lehrer aus Hamburg fuhr einige Tage parallel mit drei Mannschaftscanadiern, davon ein 10er, die gleichen Strecken wie wir. Auch ein junges Paar aus Stuttgart kämpfte sich bei aufliegenden Wolken im Leihcanadier, doch schon recht ordentlich paddelnd, durch den Dunst über dem Fluss.

Burg Castelnaud















Roque Gageac


Unsere letzte Tour auf der Dordogne, für mich einen der schönsten Wanderflüsse die ich kenne, endete bei Beynac et Cazenac unterhalb des Städtchens, das von einer, von einem riesigen Schloss gekrönten Felswand, überragt wird. Dort wurden wir, von Gertrud, meiner nicht mehr paddeln könnenden Frau, wie schon so oft mit dem Auto erwartet. Ohne ihr Zutun hätten wir diese schöne Wanderfahrt nicht so reibungslos durchführen können. Dafür ein recht herzliches Dankeschön!


Neben dem Paddeln auf der Dordogne gab es auch sehr viel zu sehen. Greifen wir einfach mal heraus: Curemont ein verträumter Ort mit 3 Chateaus, Collonges la Rouge - das Dorf ganz in rot, Turenne - auf dem Burgberg die mittelalterliche Festung mit dem Tour la César aus dem 7. Jahrhundert. Nicht zu vergessen den Schlund von Padirac - mit einer unterirdischen Kahnfahrt, sowie ganz in der Nähe Rocamadour die Wallfahrtsstätte auf dem Jakobsweg. Zu guter Letzt noch Sarlat la Canéda, die Hautstadt des Perigord Noir mit seiner historischen Altstadt. Wahrscheinlich von Herzog Pippin um 820 gegründet. Und so weiter...





Castelnaud

Von Cazoules aus traten wir, diagonal durch das Land fahrend, auf optimal ausgebauten Nationalstraßen die Heimreise an. Dass das nicht in einem Rutsch zu erledigen war, ist sicher jedem klar. Am ersten Tag fuhren wir etwa 650 km bis Vitry le Francois, wo wir auf dem schön gepflegten städtischen Campingplatz einen Ruhetag einlegten.
Ausgeruht kamen wir dann am folgenden Tag am frühen Nachmittag zu hause an.





Marne in Vitry le Francois


In eigener Sache:
Da wir nicht mehr zu den Jüngsten zählen, müssen wir schon etwas vorsichtiger in die Zukunft blicken. Jedoch mit dieser, einer meiner liebsten Touren in Frankreich, ist für mich nochmals ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. Alleine können und wollen wir solche Touren nicht machen. Aus diesem Grund bedanke ich mich nochmals recht herzlich bei allen Teilnehmern, die, auf welche Art und Weise auch immer, zum guten Gelingen dieser schönen Fahrt beigetragen haben.

Fahrtenleitung, Text und Fotos: M. Hofmann
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